Theorie & Taktik: Die Torhüter-Ballmagneten Theorie & Taktik

Ballmagnet

Seit 1999 erfasst die DFL (Deutsche Fußball Liga) unter anderem offizielle Spieldaten zum Wert „Ballbesitzphasen“. Damit sind diejenigen Spielsituationen gemeint, in denen ein Spieler Ballbesitz hat. Es wird dabei nicht jeder Ballkontakt gezählt, sondern während einer solchen Ballbesitzphase kann ein Spieler mehrere Ballaktionen haben.

Ballmagnet Xabi Alonso

Die Schaltzentrale des FC Bayern München - Xabi AlonsoDie Schaltzentrale des FC Bayern München - Xabi Alonso In der abgelaufenen Saison stellte Xabi Alonso vom deutschen Meister Bayern München am 6.Spieltag mit 213 Ballbesitzphasen beim Sieg in Köln einen außergewöhnlichen neuen Bundesliga-Rekord auf. Der immer anspielbare und extrem ballsichere Spanier war an nahezu jedem Angriff seiner Mannschaft beteiligt. Es gibt verschiedene Gründe, warum Alonso so viele Ballkontakte hat. Mit einer absolvierten Laufdistanz von 11,43 km war er sehr laufstark. Als sogenannter „Sechser“ wird Alonso ferner aufgrund seiner Spielposition von seinen Mitspielern gesucht. Hinzu kommt, dass das Bayern-Spiel unter Pep Guardiola auf Ballbesitz angelegt ist, was zusätzlich diesen extrem hohen Wert Alonsos begünstigt. Alonsos Wert liegt aber deutlich über den sonst in einem Spiel üblichen Ballbesitzphasen. Werte über 100 sind bereits sehr hoch.

Ballmagneten unter den Bundesliga-Torhütern

Natürlich kommen Torhüter aufgrund ihrer Spielposition als letzter Mann nicht annähernd auf solche Werte. Trotzdem gab es einzelne Spiele, in denen der Torhüter die meisten Ballbesitzphasen innerhalb der eigenen Mannschaft hatte. Um die Ballbesitzphasen der Bundesliga-Torhüter zu erfassen und vergleichen zu können, haben wir die Daten der Rückrunde in der Saison 2014/15 unter die Lupe genommen.

Der Neu-Borusse Bürki hatte unter allen Torhütern die meisten Ballbesitzphasen pro SpielDer Neu-Borusse Bürki hatte unter allen Torhütern die meisten Ballbesitzphasen pro Spiel Das Ergebnis: Die Bundesliga-Keeper hatten im Durchschnitt 38,4 Ballbesitzphasen pro Spiel. Innerhalb der Torwartgilde gibt es aber teils beträchtliche Unterschiede. Während Roman Bürki (SC Freiburg) mit 50,5 Ballbesitzphasen pro Spiel den höchsten Durchschnittswert aufwies, hatte sein neuer Mannschaftskollege Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund) mit einem Durchschnittwert von 26,2 gerade einmal halb so viele Ballbesitzphasen wie der Schweizer in Diensten des SC Freiburg. Hinter Bürki erreichten sein Schweizer Nationalmannschaftskollege Yann Sommer (Mönchengladbach) mit 47,6, Ron-Robert Zieler (Hannover 96) mit 47,5 und Ralf Fährmann (Schalke 04) mit 44,3 die höchsten Durchschnittswerte unter den Bundesliga-Torhütern.

Den höchsten Rückrundenwert in einem einzelnen Spiel erreichte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler am 19.Spieltag beim 1:1 im Spiel gegen Mainz 05. 71 Ballbesitzphasen standen bei ihm zu Buche. Den zweithöchsten Wert in der Rückrunde erreichte der Schweizer Nationalkeeper Yann Sommer (Gladbach) bei 1:4-Auswärtssieg in Hoffenheim mit 68 vor seinem Nationalmannschaftskollegen Roman Bürki (SC Freiburg) am 20. Spieltag bei der 0:3-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund mit 67 Ballbesitzphasen.

Aussagekraft der Werte

Diese Werte sagen selbstverständlich nichts über die tatsächliche Leistung der einzelnen Torhüter aus. Sie können aber zeigen, wie stark ein Torhüter taktisch in das Spiel seiner Mannschaft eingebunden ist. Ein Beispiel dafür ist Yann Sommer, der wie sein Vorgänger Marc-Andre ter Stegen als spielstarker Torhüter gilt und somit als ständiger Anspielpunkt und erster Aufbauspieler von seinen Mitspielern gesucht wird. Von Yann Sommer abgesehen, weisen Torhüter der Spitzenteams in der Regel niedrigere Ballbesitzphasenwerte auf, weil ihre Mannschaft als meist überlegenes Team häufig in der gegnerischen Hälfte agiert und deshalb diese Torhüter weniger in die Ballzirkulation der Mannschaft eingebunden sind.

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