Interview mit Markus Bittner und Alexander Johe: Torwart-Trainer der TSG Hoffenheim geben Auskunft zum Training der Bundesliga-Frauen Interview

Torfrau der TSG Hoffenheim Janina Leitzig; Bildquelle Markus Friedel

Dieses Wochenende startet die Allianz Frauen-Bundesliga in die Rückrunde! Wir haben das zum Anlass genommen, um uns näher mit den Torspielerinnen in Deutschland zu beschäftigen. Die Torwart-Trainer der TSG Hoffenheim Markus Bittner (Erste Mannschaft) und Alexander Johe (U15-Juniorinnen) geben in diesem Interview Einblick in ihre Erfahrungen als Frauen-Torwarttrainer.

Seit wann seid ihr bei der TSG und wie seid ihr zu den Frauen gekommen?

Bittner: Das war eigentlich Zufall. Ich habe als Torspielertrainer am DFB-Stützpunkt und bei Germania Friedrichstal gearbeitet als das Angebot der Frauen-Bundesligamannschaft von Hoffenheim kam. Davor hatte ich eigentlich mit dem Frauenfußball wenig Berührungspunkte. Am Stützpunkt hatten wir ab und zu auch Mädchen, aber sonst kannte ich Frauenfußball nur aus dem Fernsehen. Es macht mir aber Riesenspaß, die Mädels sind super-ehrgeizig und wir haben ein tolles Team. Ich kann nur Positives erzählen!

Johe: Ich bin seit März 2016 Trainer der U14- und U15-Juniorinnen. Ich schaue mir gerne die Allianz Frauen-Bundesliga an und muss gestehen, ich bin ein großer Fan geworden!

Wie oft haben eure Torhüterinnen Torwarttraining?

Bittner: Wir haben in der Regel dreimal pro Woche torwartspezifisches Training. Zusätzlich wird noch mit der Mannschaft trainiert. Wir setzen im Training jeweils unterschiedliche Schwerpunkte: Einmal pro Woche steht Kraft- bzw. Ausdauertraining auf dem Programm; einmal pro Woche Spielaufbau sowie Flankenbälle und einmal in der Woche trainieren wir schwerpunktmäßig Eins gegen Eins- und Block-Situationen.

Johe: Das ist bei den Juniorinnen ähnlich: Dreimal pro Woche gibt es bei uns torwartspezifisches Training, zusätzlich einmal pro Woche Athletik-Training. In den Schulferien trainieren wir teilweise sogar zweimal am Tag. In der Jugend liegt der Trainingsschwerpunkt zumeist auf den Grundtechniken und der Koordination. Aber auch die Positionierung der Torhüterin und Eins gegen Eins-Situationen in der Nahdistanz stehen auf dem Programm.

Markus Bittner (links im Bild) und Alexander Johe; Bildquelle Uwe GrünMarkus Bittner (links im Bild) und Alexander Johe; Bildquelle Uwe Grün

Wo steht Eurer Meinung nach das Torwartspiel der Frauen derzeit in Deutschland?

Bittner: Ich denke, dass wir ein ganz gutes Niveau haben. Die Mädchen sind alle technisch top ausgebildet. Darüber hinaus haben wir in Hoffenheim natürlich sehr gute Rahmenbedingungen und Sondertrainingsmöglichkeiten wie den Footbonaut in Zuzenhausen, die nicht unbedingt etwas mit den Frauen zu tun haben. Was vielleicht ein bisschen fehlt, vor allem im Vergleich zum Männerbereich, ist die Kraft und die Athletik. Einen Diagonalball über 40 Meter zu schlagen, das können nur relativ wenige Frauen. Aber taktisch und technisch haben deutsche Torhüterinnen ein ähnliches oder sogar gleiches Niveau wie die Männer.

Johe: Ich sehe das genauso, und das zieht sich bis in die Nachwuchsmannschaften hinein. Die DFB-Verantwortlichen Silke Rottenberg und Michael Fuchs arbeiten seit Jahren daran und haben durchaus ihre Handschrift hinterlassen. Sie bieten regelmäßige Trainingscamps und Förderwochen für die Torhüterinnen an. Allerdings fehlt im Mädchen- und Frauenfußball die Breite.

Wie beurteilt Ihr die Professionalität der Torwarttrainer-Ausbildung und wo seht ihr Verbesserungspotenzial?

Bittner: Da ich erst seit Sommer dabei bin, kann ich das noch nicht wirklich beurteilen. Wir treffen uns als Torwart-Trainer einmal bis zweimal im Jahr auf Einladung von Silke Rottenberg. Zudem tauscht man sich vor denen Spielen kurz aus. Allgemein haben wir denke ich in Deutschland ein sehr gutes Angebot, was die Trainerausbildung betrifft.

Johe: Ich würde sagen, das liegt an jedem Trainer selbst, inwieweit er sich ausbilden lässt. Ich zum Beispiel nehme regelmäßig an Lehrgängen und Schulungen des Badischen Fußballverbands in der Sportschule Schöneck bei Karlsruhe teil.

Wo seht Ihr den zentralen Unterschied im Torwartspiel der Männer und Frauen? Seid ihr auch der Meinung, dass bei den Frauen die Technik noch wichtiger ist, weil ihnen oft die Größe und der Körper fehlt?

Bittner: Ja, da gehe ich mit. Wobei ich mit den Mädels eigentlich gleich arbeite, wie ich es mit den Jungs aus der Oberliga getan habe. Da brauchen sich die Mädels nicht zu verstecken. Die Jungs zeigen oft eher den unbedingten Willen den Ball zu bekommen, während die Mädchen das eher technisch-taktisch kompensieren.

Johe: Ich sehe noch Defizite bei der Ballannahme und Ballverarbeitung. Auch im athletischen Bereich ist das Frauen-Torwartspiel anders. Frauen müssen mehr an Abdrücken und Sprüngen arbeiten. Allein durch die Körpergröße haben Männer Vorteile bei der Raumverteidigung und natürlich auch bei der Torraumverteidigung. Die Sprungkraft, das Schrittverhalten und die Einschätzung von Flugkurven ist daher für die Frauen noch wichtiger.

Torfrau der TSG Hoffenheim Janina Leitzig; Bildquelle Markus FriedelTorfrau der TSG Hoffenheim Janina Leitzig; Bildquelle Markus Friedel

Welche Fähigkeiten muss eine moderne Torhüterin mitbringen?

Bittner: Ich denke da können wir uns an unserem Nationaltorwart orientieren. Das ist ganz klar der mitspielende Torhüter. Ein guter moderner Torhüter ist immer anspielbar, kann die Bälle verteilen und sieht das ganze Spiel. Das wird auch in den nächsten fünf Jahren noch das prägende Merkmal eines guten Torhüters sein. Ein durchschnittlicher Torhüter in der Bundesliga läuft während des Spiels um die sieben bis neun Kilometer.

Im deutschen Sprachraum geht der Trend in Richtung zusätzliches Training in Torwartschulen. Wie beurteilt ihr diese Entwicklung?

Bittner: Ich habe selbst zwei Jahre als Torwart-Trainer an einer privaten Fußballschule mitgearbeitet. Ich sehe das nur positiv, denn die meisten Vereine der unteren Ligen können sich oft kein eigenes Torwart-Training leisten. Jedes gezielte Torwarttraining ist und kann nur gut sein. Jede Einheit zählt!

Johe: Ich arbeite selbst in einer Torwartschule. Meistens kommen zu uns Torhüter, die in ihren Vereinen keine Ansprechpartner bzw. Torwarttrainer haben. Torwartschulen stellen keine Konkurrenz zu Vereinen dar, sondern schließen die Lücke und ergänzen das Training.

: Was waren Stärken und Schwächen eurer Torhüterinnen im Herbst und wo wollt ihr euch im Frühjahr verbessern? Was sind die Ziele für das Frühjahr?

Bittner: Wir haben die tolle Ausgangssituation, dass wir schon in der ersten Mannschaft drei gute Torhüterinnen haben, die aber nicht alle spielen können. Friederike Abt hat in der Saisonvorbereitung den besten Eindruck hinterlassen und war daher im Herbst unsere Nummer eins. Mit Martina Tufekovic haben wir eine erfahrene und technisch hervorragend ausgebildete Torhüterin, die über ein sehr gutes Passspiel verfügt. Zum Trio gehört außerdem Janina Leitzig, die ein riesiges Talent ist und ja auch im U20-Nationalteam des DFB gespielt hat. Auch in der U20 können wir mit U17-Nationaltorhüterin Ann-Kathrin Dilfer und Louisa Binley auf tolle Nachwuchstalente setzen. Was wir im Frühjahr noch verbessern wollen ist die Einbindung der Torhüterin in das Spiel. Die Torhüterinnen müssen beim Spielaufbau viel mehr eingreifen und damit die Mannschaftstaktik noch mehr unterstützen.

Johe: Meine Spielerinnen haben sich zuletzt extrem gut weiterentwickelt. Die Eins gegen Eins-Situationen lösen sie technisch sauber. Verbessern wollen wir noch das Abfangen von hohen Bällen, was bei geringer Größe oft noch ein Problem ist. Durch gutes Positionsspiel und gute Schrittfolge können wir das denke ich aber wett machen.

nach oben