reusch Re:Ceptor Pro M1 NC: Ein leichter Innennahthandschuh Produkttest

Ausschnitt von reusch Re:Ceptor Pro M1 NC

Mit dem Re:Ceptor Pro M1 NC wird in diesem Test ein klassischer Torwarthandschuh aus dem mittleren Preissegment des Traditionsherstellers reusch unter die Lupe genommen.

Trockenübungen

Der Handschuh erreicht einen in einer Plastiktasche mit allerlei Beipackzetteln. Davon könnte man vermutlich auch problemlos 90% weglassen und so nicht nur dem heimischen Mülleimer, sondern auch der Umwelt einen Gefallen erweisen.

Aus der Verpackung genommen, fällt einem das weitestgehend schlichte Design ins Auge. Lässt sich trefflich drüber streiten, mir gefällt es ganz gut, auch wenn ich immer noch dem reusch-Pfeil hinterhertrauere. Ansonsten kommt der Handschuh als ganz klassischer Innennahtschnitt daher; Schichtel und Keile aus Haftschaum, am Daumen auf die Oberseite geführter Haftschaum, eine Bandage als Einstieg, wenig Gimmicks.

Überrascht war ich vom gefühlt recht geringen Gewicht, welches vom relativ dünnen, nicht durchgängigen Oberhandbesatz und dem leichten, groben Mesh als Trägermaterial herrührt. Zudem wurde auf Spielereien weitestgehend verzichtet, so dass kein unnötiges Material verbaut wurde. Die Verarbeitung macht durch die Bank einen sehr guten Eindruck - gerade Nähte, sauber gearbeitet.

Der Re:Ceptor M1 NC von oben- gut zu erkennen ist das grobe Mesh und die recht einfach gehaltene OberhandDer Re:Ceptor M1 NC von oben- gut zu erkennen ist das grobe Mesh und die recht einfach gehaltene Oberhand

Der Handschuh sitzt, wie bei einem Innennahthandschuh üblich, eher enger an der Hand. Die Verbindung zur Oberhand ist bis auf den Daumen als Außennaht ausgeführt. Der Tragekomfort ist gut, leidet im Übergang zum Handgelenk aber am kurzen Schnitt; der Einschlupf kommt zu früh. Dieser ist - wie inzwischen bei den meisten Handschuhen - in Form einer Bandage ausgeführt und wird mit einer umlaufenden Klette geschlossen. Die Klette ist dabei angenehm breit, leider wurde jedoch auf ein zweites Gegenstück zum fixieren verzichtet. Ob es dem Pull Loop (einer Anziehhilfe in Form einer Schlaufe) zum Opfer gefallen ist, vermag ich nicht zu sagen. Hier wäre weniger mehr gewesen; einfach wieder eine kleines Klettenstück aufnähen, die Anziehhilfelasche weglassen und alles wäre gut. So blieb mir nur, mich an die ganz alten Zeiten zurückzuerinnern und - frei nach Mike Krüger - die Klette durch die Lasche zu ziehen. Jetzt wäre nur noch zu ergründen, warum reusch seit Jahren konsequent die Klette vom Körper weg zu schließen anbringt und jedem mit schmalen Handgelenken somit alle Möglichkeiten nimmt, vernünftig Zug auf selbige zu bringen.

Unterm Strich: ein schöner, leichter Handschuh, der mit der derzeitigen Lösung des Einschlupfes für mich aber nicht sinnvoll benutzbar ist … ich teste ihn trotzdem:

In die Mangel genommen

Um ein möglichst realitätsnahes Bild vom Handschuh zu bekommen, habe ich ihn bei den verschiedensten Bedingungen - Trockenheit, Nässe, Rasen, Hartplatz etc. - eingesetzt und die verschiedenen Kriterien bewertet:

Grip

Frisch aus der Packung genommen, ist dieser bei jedem Torwarthandschuh produktionsbedingt ziemlich mau, so auch beim Re:Ceptor M1. Nachdem man ihn etwas angefeuchtet und ein paar Bälle gefangen hat, baut sich der Grip jedoch recht schnell auf. Nach einer ersten Wäsche ist er komplett da. Bei Trockenheit lässt sich nichts schlechtes über das Gripverhalten sagen, den Handschuh immer leicht feucht halten und er ist top. Je dreckiger und nässer der Handschuh wird, desto mehr lässt der Grip nach, alles aber in einem völlig normalen Rahmen. Man kann mit dem M1-Belag keinem Aquahaftschaum das Wasser reichen, aber ihn trotzdem auch bei Nässe spielen. Negativ anzumerken ist die Teilbedruckung der Oberhand, die Kontrolle bei der Faustabwehr nimmt. Da würde man sich weniger Design und mehr Funktionaität wünschen.

Passform

Wir sehen, dass wir nichts sehen - eine Lasche, aber kein FixierungsmöglichkeitWir sehen, dass wir nichts sehen - eine Lasche, aber kein Fixierungsmöglichkeit Wie schon in den Trockenübungen vermutet, macht sich hier die mangelhafte Fixierungsmöglichkeit negativ bemerkbar. Man ist relativ viel damit beschäftigt, den Handschuh wieder in eine optimale Position zu bringen, was auf Dauer ziemlich nervig ist. Wenn er denn mal an der Hand sitzt, sitzt er recht gut, wobei ich empfehlen würde ihn eine halbe Größe größer als normal zu nehmen, insbesondere dann, wenn man eher lange Finger hat.

Dämpfung

Eine starke Dämpfung geht immer zu Lasten des Ballgefühls, insofern sollte man es mit der Dämpfung auch nicht übertreiben. Hier wird eine guter Mittelweg gefunden - es brennen einem nicht die Hände und trotzdem hat man noch ein gutes Gefühl für den Ball. Auf der Oberhand wurde auch nur ein dünner Haftschaum verwendet, so dass hier gleiches gilt.

Verschleiß

Ein geringer Verschleiß steht immer dem Wunsch eines exzellenten Grips entgegen. Für den gebotenen Grip und die damit zwangsläufig verbundene Weichheit des Haftschaums, ist hier der Verschleiß in einem völlig normalen Rahmen. Mal ne Macke am Finger, mal eine Scharte auf der Oberhand, aber keine großflächigen Ablösungen.

Verarbeitung

Die oben erwähnte, saubere Verarbeitung findet sich auch beim Praxistest bestätigt. Alle Nähte halten, es gibt kein Materialversagen … auch nach mehrmaligen Waschen (Waschmaschine bei 30 Grad). Trotzdem würde man meiner Meinung nach gut auf die ein oder andere Spielerei verzichten können, z.B. Pull Loop und doppelte Naht am Daumen.

Fazit

Ein schöner Handschuh mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis (UVP liegt bei 69,95 Euro). Für alle die der kurze Schnitt und die verkehrtherum schließende Klette nicht stört (tendentiell bei allen mit eher kürzeren Händen und nicht ganz so schlanken Armen), kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Zeugnis für „reusch Re:Ceptor Pro M1 NC“

Die Notenskala reicht wie in der Schule von sehr gut (1) bis ungenügend (6).

  • Grip bei Trockenheit2
  • Grip bei Nässe3
  • Passform4
  • Verschleiß2
  • Verarbeitung1
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