Wachablöse des Giganten?: Die Goalkeeping.com-Torhüterstatistik zum Start der BL- Rückrunde Kolumne

Manuel Neuer

Ist die große Zeit des Manuel Neuer vorbei? In den Medien wird in den letzten Wochen über diese Frage spekuliert. Unter der Kicker-Rangliste der besten Torhüter Anfang Jänner fand sich Neuer diesmal nicht mehr. Gleichzeitig sah man neue Sterne am Torhüterhimmel der deutschen Bundesliga aufgehen: So zum Beispiel Roman Bürki (BVB) oder auch Yann Sommer (Borussia MönchenGladbach). Wir haben für euch die Leistungen der Stammtorhüter der Bundesliga-Hinrunde im Detail analysiert und verglichen. Alle Torhüter, die mindestens 10 Spiele absolviert haben, wurden nach Gegentoren, Zweikampf- und Passquote bewertet.

Gulasci und Bürki kassierten am wenigsten Gegentore

In der Gegentorstatistik schneidet Ron-Robert Zieler (VfB Stuttgart) mit satten 35 Gegentoren in 17 Spielen am schlechtesten ab. Zieler kassierte damit im Schnitt 2,06 Tore pro Spiel. Michael Rensing (Fortuna Düsseldorf) folgt auf dem vorletzten Platz – er musste in 17 Spielen 33 mal hinter sich greifen. Die Statistik an führen hingegen BVB-Keeper Roman Bürki und Peter Gulasci von RB Leipzig - jeweils mit einem Schnitt von 1,0 Toren pro Spiel. Dicht dahinter: Bayerns Manuel Neuer und Gladbachs Yann Sommer mit einem Schnitt von jeweils 1,06 Toren. Geht es also nach der Gegentorstatistik, ist Neuer nach wie vor vorne dabei.

Wachablöse bei der Zweikampfstärke

Die Zweikampfstatistik zeigt aber in der Tat eine kleine Wachablöse: Ralf Fährmann (Schalke 04) und Alexander Schwolow (SC Freiburg) gewannen alle geführten Zweikämpfe der Hinrunde. Neuer kommt in dieser Wertung hingegen nur auf einen Wert von 50 %. Auffallend ist, dass er mit dieser Quote gegenüber dem Rest deutlich abfällt – beachtet man, dass Fabian Bredlow (Nürnberg) als Vorletzter schon 70 % seiner Zweikämpfe gewann.

Näher aufgeschlüsselt zeigt sich, dass Neuer (und daneben auch FC Augsburg-Keeper Andreas Luthe) kein einziges Zweikampfduell in der Luft gewonnen hat. Und auch am Boden ist der viermalige Welttorhüter mit nur 57,10 % gewonnenen Zweikämpfen das Bundesliga-Schlusslicht der Hinrunde.

Neuer hat an Passsicherheit eingebüßt

Und auch was die Passquote betrifft liegt Neuer mit 58,6 % nur an viertletzter Stelle aller BL-Keeper – überraschend, galt er doch in den letzten Jahren als der 11. Feldspieler unter den Torhütern. Nur Alexander Schwolow (Freiburg, 56,9 %), Peter Gulasci (RB Leipzig, 57,10 %) und überraschenderweise Roman Bürki (Borussia Dortmund, 58,30%) schnitten noch schlechter ab. Der passsicherste Bundesliga-Torhüter ist Hoffenheims Oliver Baumann (79%), knapp vor Andreas Luthe (FC Augsburg, 78,2 %).

Fazit

Die Leistungskurve Neuers zeigt bei nach wie vor guter Gegentorquote in Bezug auf Zweikampfstärke und Passquote nach unten. Das mag aber auch daran liegen, dass der FC Bayern in der Abwehr auf größere Spielerqualität zurückgreifen kann. Nach seinen Verletzungen scheinen die vergleichsweise schlechten Werte allerdings verständlich – vor allem wenn man beachtet, dass Neuer erst seit der WM im Juli wieder regelmäßig zwischen dem Pfosten steht.

Ob ein absoluter Spitzenreiter bestimmt werden kann, erscheint fraglich, denn die Daten zeigen unterschiedliche Stärken und Schwächen der Torhüter. Bürki ist beispielsweise in der Gegentorstatistik führend, liegt gleichzeitig aber bei der Passquote deutlich zurück und ist dort nur drittletzter Keeper der Bundesliga-Hinrunde. Hoffenheims Oliver Baum ist der passicherste Torhüter der Hinrunde, während Ralf Fährmann von Schalke 04 und der Freiburger Alexander Schwolow am zweikampfstärksten aufgetreten sind. Spannend wird sein, ob Manuel Neuer in der Rückrunde seinen Rückstand aufholen kann.

Quellen: fussballdaten.de, bundesliga.com

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